Vavatzanidis’s Weblog

Deutsch als Fremdsprache

Sprache und Kultur Januar 13, 2008

Filed under: Top Thema Diskussion mit Timo — vavatzanidis @ 12:43 am

Hallo Rosvita,

zu dem Thema kam am Wochenende auf DW-TV ein Interview mit Klaus-Dieter Lehmann, dem designierten Präsidenten des Goethe-Instituts.

Er sagt dabei, dass man mit Englisch nicht konkurrieren könne, weil Englisch die lingua franca weltweit sei. Aber dass deswegen die Englische Sprache sich auch von der Kultur losgelöst habe, und sie deshalb nur ein technisches Mittel sei, um sich zu verständigen. Aber die Deutschen Sprache sei ja immer auch mit der Kultur verbunden, und das wäre die Chance für das Deutsche.

Das Interview gibt’s auch auf YouTube. lächelnd

Gruß,
Timo

Hallo Timo,
es ist schon arrogant zu sagen, das Englische habe sich von der Kultur losgeloest, aber die anderen Sprachen haetten den kulturellen Hintergrund noch. Bei Sprache geht es ja nicht nur um Terminologie. Sehens wir’s doch besser so:
Englisch ein Muss – Deutsch ein Plus!
Karin

Hallo Karin,

hast du das Interview gesehen oder nur meine Zusammenfassung gelesen. Die ist ja – zugegebenermaßen etwas aus dem Zusammenhang gerissen.

Aber ich denke, dass da schon auch was dran ist. Wer Englisch lernt, der lernt es oft ja vor allem, weil er beruflich weiterkommen will, aber nicht unbedingt aus Interesse für die Kultur Großbritanniens oder der USA. Ich denke da auch an Länder wie Indien oder Malaysia, in denen Englisch eine offizielle Amtssprache ist.

Gruß,
Timo

Hallo Timo,
es scheint ganz interessant zu sein, Sprache und Kultur auszudifferenzieren. Sprache an sich ist ja ein Kulturgut und Ausdruck der Wahrnehmung. Sie kann ganz kustvoll und brillant z.B. in der Literatur sein, aber auch ganz einfach Vehikel fuer die Verstaendigung. Ich denke, immer wenn ich eine Sprache lerne und nicht nur einzelne Vokabeln um mich werfe, lerne ich auch etwas ueber Land und Leute, also die Kultur. Interessant ist dein Einwand mit zweisprachigen Laendern. Was ist Ausdruck wessen Kultur?
Gruss Karin
Liebe Karin,du hast natürlich Recht: Sprache gehört zur Kultur, und Kultur gehört zur Sprache. Aber ich denke auch, dass sich sowohl die Kultur als auch die Sprache auf jeweils andere Bereiche ausdehnt, die für beide auch spezifisch sind. Und zur Sprache gehört auch der ‚technische‘ Teil der Verständigung. Vielleicht noch ein Beispiel: Ein internationales Team von Wissenschaftlern arbeitet zusammen an einem Projekt. Arbeitssprache ist Englisch. Ich denke, hier wird Englisch in erster Linie ganz zielgerichtet eingesetzt. Kultur kommt erst dann ins Spiel, wenn es zu interkulturellen Missverständnissen kommt. Wenn aber keines der Teammitglieder englischer Muttersprachler ist, dann müssen sie sich in so einem Fall mit einer anderen Kultur auseinandersetzen, nicht der englischen bzw. amerikanischen.Und hier ist – denke ich – auch wirklich ein Qualitätsunterschied, wenn die Arbeitssprache Deutsch wäre. Denn wenn in einem Forschungsteam Deutsch gesprochen wird, dann ist doch in irgend einer Form auch ein Bezug zu Deutschland da – sei es, dass der Teamleiter Deutscher ist, sei es, dass eine deutsche Uni hinter dem Projekt steckt, sei es, dass die Teammitglieder in Deutschland studiert haben und sich mit Deutsch beim Kommunizieren wohler fühlen als mit Englisch.

Und ich denke, das ist vermutlich auch das, was Lehmann gemeint hat: Wer Deutsch lernt, der entwickelt auch irgend einen Bezug zur Kultur, aber wer Englisch lernt, der lernt die Sprache vielleicht nur, um kommunizieren zu können. Das gilt vor allem dann, wenn jemand nicht in ein englischsprachiges Land gehen möchte, oder für Länder wie Malaysia, wo es ja über hundert verschiedene Sprachen und Dialekte gibt, wo Englisch der kleinste gemeinsame Nenner ist, um das Land überhaupt verwalten zu können.

Gruß,
Timo

Guten Morgen Timo,
ich glaube, hier treffen wir uns wieder, wenn wir davon ausgehen, dass Sprache lernen in Kulturvermittlung eingebettet ist und die spaetere Anwendung sich allerdings verselbstaendigen kann, um moeglicherweise zur Mittlerin der eigenen Kultur zu werden. Je differenzierter man sich aber ausdruecken moechte, desto mehr werden sich Unschaerfebereiche auftun, weil sich Sprache und Kultur aus verschiedenen Laendern nun mal nicht 1:1 abbilden lassen. Es ist uebrigens interessant, die Veraenderung der Englischen Sprache zu beobachten, die sich in entfernten Gebieten unter verschiedenen kulturellen Einfluessen relativ unterschiedlich voneinander weiterentwickelt. Damit wird der Sprache als Kommunikationsmittel sozusagen eine neue Kultur eingehaucht. Das trifft auf Deutsch lange nicht zu, da ist immer noch die D-A-CH-L Nabelschnur. 🙂
Gruss Karin
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